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Arbeit in der Moderne

Arbeit im 21. Jahrhundert

 

Ich hatte das bereits in meinem Urlaubshinweis verarbeitet, weil mir dort der Gedanke kam. Der ein oder andere wird es selbst schon an sich festgestellt haben: Wenn man Pilze sammelt, dann isst man selbst jene, die eine Made beherbergen oder von Waldresten bedeckt sind.

Einen solchen Pilz würde man im Restaurant oder im Geschäft zurückgeben. Sammelt man ihn aber selbst, überwiegt der Stolz des Auffindens den ein oder anderen Makel. Derartige Beispiele könnte man hundertfach bringen.

Fakt ist: Wenn wir einen Bezug zu einem Gegenstand haben, behandeln wir ihn anders.

 

Stellen wir uns also die stereotypische Arbeitswelt des Mittelalters vor. Die Wirtschaftskreisläufe waren sehr kleinmaschig. Es gab überwiegend Bauern, die ihr Überleben selbst sichern mussten. Auf sie ist das Pilz-Beispiel von oben direkt anwendbar. Was man selber anbaut (jeder, der einen Garten hat, weiß das), schmeckt besser und jeder Biss erzeugt einen gewissen Stolz auf die eigenen Fähigkeiten

Derartige Gefühle haben wir heute bei der Ware aus dem Supermarkt nicht mehr. Die Nahrung ist nicht eigenes Werk, sondern von Maschinen abgeerntet, gut verpackt und so gleichförmig, dass wir ruhig auch die andere Konserve nehmen können.

Der moderne Mensch hat sich von der Einfachheit entfernt.

Selbiges gilt für das Handwerk. Konnte ein Arbeiter noch bis zur Erfindung des Fließbandes jedes seiner Produkte erkennen (dieses Glück ist heute nur noch kleinen Betrieben vergönnt, die erlesene und besondere Produkte fertigen), war er danach nur noch Rad im Getriebe.

Die Produkte wurden Massenware und ob man nun in dem Golf oder in dem anderen die Schraube des Lenkrades festgedreht hatte, konnte niemand mehr mit Sicherheit behaupten.

Der Einzelne war nur noch für ein kleines Aufgabengebiet, nicht aber für das gesamte Produkt verantwortlich. Seitdem arbeiten wir nur noch, um Geld zu bekommen. Nicht mehr deshalb, weil wir Lob erhalten oder Stolz erringen.

Mit dem Einzug des dritten Sektors, der Dienstleistung, hat sich diese Entfremdung noch verschärft. Heute berät mich ein Inder, wenn ich eien “Hotline” anrufe. Wir haben es geschafft, eine größtmögliche Distanz zwischen Produkt, Kunde und Erzeuger aufzubauen.

Und all das mit der Folge der Austauschbarkeit. Konnte in kleinen Wirtschaftskreisläufen eben nur einer gute Brötchen backen und der andere Stühle bauen, so gibt es heute auf der ganzen Welt Ersatz.

Wenn man aber den Menschen austauschen kann, ist dies auch mit Völkern möglich. Denn man braucht die Eigenschaft der Völker nicht mehr (etwa Erfindergeist und Genauigkeit der Deutschen), um bestimmte Produkte zu erzeugen.

Sicher, man kann das Rad nicht zurückdrehen. Aber vielleicht liegt in der Frage des Wirtschaftens viel mehr verborgen, als wir uns oft erdenken können….

Denn wer stolz auf seinen Wald ist, in dem er die besten Pilze findet und wer stolz auf sein lokales Produkt ist, etwa weil es nur an dem Wasserlauf möglich ist, der ist auch stolz auf sein Land und seine Landsleute, die seine Kunden sind.

Eine Eigenschaft, die uns austauschbaren Konsumenten abhanden gekommen ist….

Categories: Thesen
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