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Bemerkenswertes aus dem Versailler Vertrag – Teil 1

Der Krieg der viele Väter hatte...

Manchmal hört man ja, dass die Deutschen ziemlich blöde waren, gegen den Versailler Vertrag aufzubegehren. War doch eigentlich ganz toll dieses Gesetzeswerk. Oder etwa nicht? Gab es etwa eine Rechtfertigung für die Deutschen. Gar einen legitimen Kriegsgrund? Gibt es sogar Zweifel an alleinigen Kriegsschuld der Deutschen? Fragen über Fragen. Und was eignet sich besser zu ihrer Beanwortung als ein Studium der Quellen. Diese

sind unverfälscht und ohne, stets parteiische Interpretation.

In meiner neuen Reihe “Bemerkenswertes aus dem Versailler Vertrag” will ich ab und an ein paar Artikel dieses Machwerks einstellen und zum Nachdenken anregen. Sicher, das hilft nicht in der aktuellen Not. Aber es macht vielleicht begreiflich, welchem Hass Deutschland damals (und vielleicht auch heute noch) ausgesetzt war.

Zunächst eine etwas erheiternde Passage des Vertrages, die aber einiges veranschaulicht:

Versailler Vertrag bildlich dargestellt

Artikel 246.

Binnen sechs Monaten nach Inkrafttreten des gegenwärtigen Vertrags hat Deutschland Seiner Majestät dem König des Hedschas den Originalkoran zurückzugeben, der dem Kalifen Osman gehört hat und von den türkischen Behörden aus Medina entfernt worden ist, um dem vormaligen Kaiser Wilhelm II. als Geschenk überreicht zu werden.
Binnen der gleichen Frist ist der Schädel des Sultans Makaua, der aus dem deutschen Schutzgebiet Ostafrika entfernt und nach Deutschland gebracht worden ist, von Deutschland der Regierung Seiner Britischen Majestät zu übergeben.
Ort und Bedingungen der Rückgabe werden von den Regierungen bestimmt, an die dieses Gegenstände zurückzuerstatten sind

Man hat, und das merkt man dem ganzen Vertrag an, hier viele “offene Rechnungen” mit Deutschland begleichen wollen. Gerade in den französischen Bestimmungen trieft es nur so vor Rachsucht für die Niederlage 1870/71. Teilweise wird aber auch in die Rechte von einfachen Deutschen eingegriffen, die bspw. Kabelverbindungen von New York besaßen und nun abtreten mussten. Diese Detailverliebtheit zeichnet diesen Vertrag aus. Diese und andere Knebelungen, aber auch Dinge, die man heute nur geschickter in Form der EU, UNO und des IWF verpackt (z.B. das versuchte Verfahren gegen Wilhelm II. weit vor der Siegerjustiz in Nürnberg), im weiteren Verlauf der Reihe.

  1. December 17, 2010 at 11:10 am

    So bin ich denn vielleicht der erste Leser, der Dich, Voxpoluli zu der großartigen Idee beglückwünschen darf, dieses Thema aufzuwerfen. Es ist aktueller als viele hier meinen und ich werde hin und wieder ein paar Streusel auf diesen Kuchen streuen:-)

    • December 17, 2010 at 6:54 pm

      Lieber niekisch,

      besten Dank für das Lob (da verzeiht man direkt die Namens”änderung” 😉 ). Ich bin zufällig darauf gestoßen und fand die Detailverliebheit dieses Vertrages einfach “grandios” – als ob man sich Jahre damit beschäftigt hätte und jeder, der Lust hatte, den Deutschen ein reinzuwürgen, mal zuschlagen durfte.

      Und wer diesen vertrag, wie Alex schildert, in der schule als “gerecht” tituliert, der hat ihn nicht gelesen. Aber auch das kennen wir ja … im Bundestag hat ja auch niemand den Vertrag von Lissabon studiert und sie haben ihn trotzdem abgenickt. Traurig ist, dass sie die Deutschen mittlerweile so weit haben, dass gegen “Versailles 2.0.” niemand mehr rebelliert.

      • December 17, 2010 at 7:40 pm

        Lieber Vox, bin wegen der Namensverzerrung untröstlich:-)

  2. Alex
    December 17, 2010 at 5:40 pm

    Der Versailler “Vertrag” – ein einziger Racheakt für 1870/71, vor allem von französischer Seite, dabei sind die ja damals noch relativ glimpflich davongekommen, kein Vergleich zu diesem erpresserischen Abkommen. Da konnten die Franzosen nicht gegen Preußen bestehen und die deutsche Einheit verhindern, ein halbes Jahrhundert später haben sie mit gewaltiger Unterstützung umso heftiger zugeschlagen.
    Aber gottlob gab es auch Politiker, die das nicht auf sich haben sitzen lassen, besonders ja einen… nur in der Öffentlichkeit und im Geschichtsunterricht wird der Vertrag ja eher noch als gerechtfertigt und seine Revision durch Hitler als ein weiteres “Verbrechen” dargestellt. Eine Schande, jedes andere Land hätte dieses Schmachdiktat längst als total obsolet erkannt, aber die Deutschen sind ja bekanntlich sehr gründlich, selbst bei der Erniedrigung der eigenen Nation.

    • December 17, 2010 at 6:59 pm

      Der “eine” hatte aber fruchtbaren Boden. Denn mit Ausnahme der Erfüllungspolitiker hat jeder den Vertrag abgelehnt. Selbst Rathenau und Ebert wollten diesen Vertrag insgeheim nicht und haben nur versucht, realpolitisch, das Beste herauszuholen. Heute freuen wir uns, wenn wir Souveränität an die EU abgegebn dürfen. Ein krankes Volk… Da fällt mir wieder ein “Dadurch, dass ein Volk nicht mehr die Kraft oder den Willen hat, sich in der Sphäre des Politischen zu halten, verschwindet das Politische nicht aus der Welt. Es verschwindet nur ein schwaches Volk.”

      Carl Schmitt

  3. der betroffene
    December 17, 2010 at 7:52 pm

    Nö,nö, wir wollen alles tun, damit dieses Volk nicht verschwindet.
    Wir haben nur das Eine!!!
    Und ein wenig mehr Wissen über diesen Vertrag wird uns nur nützen können…

  4. S.A.S.
    December 18, 2010 at 11:29 am

    Informativ! Gerne mehr davon!

  5. Reichsbürger
    December 19, 2010 at 9:04 am

    Sehr gutes Thema und immer noch oder schon wieder brandaktuell.Vergangenheit,Gegenwart und Zukunft gehören immer zusammen.Seit wir geboren wurden,werden wir belogen und uns wird eine falsche Geschichte gelehrt.Um die Zukunft positiv für uns zu gestalten müssen wir zuerst mit der Vergangenheit aufräumen.Wenn wir das nicht tun werden wir immer mit einem Komplex leben der uns immer daran hindern wird ,selbstbewusst und selbstbestimmend zu handeln.Der Versailler Vertrag war völkerrechtswiedrig und er war der Anfang des 2.Weltkrieges.
    Heute haben wir praktisch einen neuen Versailler Vertrag unter dem die Deutschen wieder zu leiden haben.Doch sind wir heute in der Lage diesen Vertrag einfach zu zerreissen und allen den stinkefinger zu zeigen doch leider werden wir von Stümpern regiert die ihr Volk versklavt sehen wollen.
    Deutschland kann von sich behaupten das es eigentlich niemanden braucht.Die Welt braucht Deutschland mehr als Deutschland die Welt braucht.Das können vor allem die Amis nicht akzeptieren.

  6. blacksun87
    December 20, 2010 at 7:05 pm

    Bayern muß Waldgebiet an Tschechei abgeben

    Während Deutsche, die 1945 brutal vertrieben worden sind, ihre Rechtsansprüche in der Tschechei nicht mehr durchsetzen können, hat die nun tschechische Stadt vor deutschen Gerichten einen Prozeß angestrengt, um die Rückübertragung zu erwirken. Schon 1965 hatte ein bayerisches Gericht geurteilt, daß der Kommune Cheb als Rechtsnachfolger von Eger der Wald zuzusprechen sei. Das Verwaltungsgericht Regensburg hat nun abschließend geurteilt, daß die Tschechen Recht und damit den Wald übereignet bekommen.

    http://www.jungefreiheit.de/Single-News-Display-mit-Komm.154+M58cf503a88b.0.html

    ich kotz gleich!

    • December 21, 2010 at 11:33 am

      Gut dazu passt auch die Meldung, dass bayern sich nun mit Tschechien aussöhnen will, nachdem es Jahre lang als “neue Heimat” der Sudetendeutschen eher ein gespanntes Verhältnis zum Nachbarn hatte.

      Die Vertriebenen, so hart muss man es leider sagen, sind wirklich die Verarschten des 20. Jahrhunderts. Nun, nachdem sie als Stimmvieh weg sind, revidiert die BRD auch noch das letzte, was den Vertriebenen heilig war.

      • blacksun87
        December 22, 2010 at 3:54 pm

        Was natürlich wieder nur einseitig ist ^^

        Ist schon alles absurd heutzutage..

  7. December 20, 2010 at 9:05 pm

    Wladimir Illjitsch Lenin auf einer Konferenz von bäuerlichen Vertretern des Moskauer Bezirks am 15.10. 1920:

    “Der Versailler Vertrag ist ein Vertrag von Banditen und Räubern.”

    Cronberg, Arnold, Weltpolitik vom Sinai im XX. Jahrhundert, verlag Hohe Warte, 1991, S. 141.

  8. blacksun87
    December 22, 2010 at 3:37 pm

  9. December 22, 2010 at 9:13 pm

    “Rechtsansprüche in der Tschechei”

    # blacksun87:

    Wußtest Du, daß die Tschechei bis heute einen im Versailler Diktat ihr zugesprochenen Freihafen im Hamburger Hafen hat?

    • blacksun87
      December 23, 2010 at 7:53 pm

      Nein… aber warum wundert mich hier fast nix mehr?

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