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Döner-Udo: Udo Voigt auf orientalischen Abwegen

Gammelfleisch

Gammelfleisch

Pattex-Udo, “Gas-Geben”-Udo, “PR-Stratege” oder Luxus-Udo – die Liste der Spitznamen für den momentanen NPD-Bundesvorsitzenden ließe sich beinahe beliebig verlängern. Doch dass eines Tages auch noch “Döner-Udo” hinzukäme, hätte ich nun auch nicht gedacht. Lest Euch zunächst folgendes Zitat durch:

Udo Voigt rauscht herein. Florian Stein und Mandy Schmidt drücken ihren Rücken durch. „Ich brauche einen von euch für den Infostand am Bahnhof. Abmarsch in 60 Minuten.“ Zeit für ein rasches Mittagsmahl, der Parteichef steuert ein Restaurant in einer Nebenstraße an. Udo Voigt, stets begleitet von zwei Leibwächtern, setzt sich mit dem Gesicht zum Fenster.

„Hier gibt es gute deutsche Hausmannskost“, sagt er, bestellt sich ein Bauernfrühstück.

Ist ihm das so wichtig, entscheidet sich Deutschlands Schicksal etwa am Esstisch?

Er denkt nach. „Ach, lassen wir das. Ist doch egal.“ Udo Voigt zieht die braune Wildlederjacke aus. Zur Not isst er auch mal einen Döner. Aber ein Burger, der kommt ihm nie auf den Teller, „das ist das Produkt des unterjochenden US-Imperialismus schlechthin“

Quelle: http://www.welt.de/politik/deutschland/article13661288/Machtkampf-um-den-braunen-Thron-der-NPD.html

Das Interessante  an dieser Passage ist weniger, dass Herr Voigt ab und an mal herzhaft in einen Döner beißt, sondern die Aussage “Ach, lassen wir das. Ist doch egal.” Deutschlands Schicksal ist ihm also egal? Oder meint er lediglich, dass die Esskultur für diese Frage egal ist? Beides wäre ein Skandal! Sicher wird die Rettung Deutschlands nicht am Dönerstand entschieden. Und niemand hat etwas gegen Pizza und Pasta oder holländische Pommes und Frikandel. Aber muss es ein Döner sein? Schon die Aussagen der Gesundheitsämter über menschliche Eiweiße in den Soßen sollten uns zu Denken geben.

Sollten wir Deutsche Döner essen während sich Ali und Mustafa der Currywurst verweigern?

Die Frage, die dahinter steht, ist noch eine weitere: Udo Voigt isst einen Döner, aber keinen Burger. Also werden deutsche Mädchen und Frauen also mehr von Amerikaner als von Moslems bedroht? Ist die Tea-Party also eine größere Bedrohung für das vergreisende deutsche Volk als die Dönerstände, die wie Pilze aus dem Boden schießen?!

Gas geben! - nach Döner-Essen...

Gas geben! - nach Döner-Essen...

Wohl kaum.

Ich plädiere nicht dafür, solche Themen auf die große Agenda zu setzen. Aber jeder sollte sich der eigenen Kultur bewusst sein und eine klare Linie vertreten. Ich kann nicht auf der einen Seite sagen, Deutschlands Schicksal entscheide sich eben nicht am Esstisch; auf der anderen Seite aber einen Burger als Ausdruck des US-Imperialismus verabscheuen.

Wenn der Burger kulturprägend und damit -zersetzend ist, dann ist der Döner es ebenso. Der von Voigt hier ver”speisenden” Argumentation fehlt insofern jede Logik.

Und ferner jedes Gespür fürs “normale” Volk. Während man ob der gesundheitlichen Bedenken (“Gammelfleisch”) gegenüber orientalischen Speisen eine Ablehnung derselben noch verkaufen kann, ist “McD” der Renner. Es dürften 99 % aller unter 30-jährigen (bislang die Hauptzielgruppe der NPD) bereits schon einmal “Kunde” bei McD oder BurgerKing gewesen sein. Gerade die Marktstärke von “McD” garantiert eine halbwegs hygienische Verarbeitung der Speisen. Dies kann bei einem Döner für einen Euro kaum behauptet werden. Ferner sollte man wissen, dass viele Döner-Buden reine Geldwäschestätten sind – natürlich von den BRD-Staatsanwaltschaften und Zollfahndern in Ruhe gelassen. Sollten wir dies auch noch unterstützen?

"Fraß im Fladenbrot"

Sicherlich ist es heutzutage nicht mehr leicht, sich “deutsch” zu ernähren. Man hat unserer Kultur weitestgehend das Rückgrat gebrochen; das betrifft auch die Esskultur, die gerade in Deutschland hervorragend und vielfältig war. Dass die wenigsten jungen Menschen heute noch selbst kochen, beschleunigt den Vorgang, dass nur noch “FastFood” auf den Tisch kommt.

An dieser Frage entscheidet sich nicht das Wohl Deutschlands, aber nur durch das Verständnis der eigenen Kultur kann eine Wiederkehr Deutschlands gelingen. Diese Wiederkehr sollte von Menschen begleitet werden, die sich weder in Widersprüche verstricken, noch die Gegebenheiten im Volk falsch einschätzen.

  1. Universum
    October 26, 2011 at 6:58 pm

    Zur Verteidigung des “Burgers” kann man ja wenigstens noch sagen, dass der Hamburger möglicherweise echt aus Hamburg stammt. Während (wie der Spiegel vor einiger Zeit berichtete) jede zweite Dönerbude in Deutschland unzulässig verdreckt ist (unternommen dagegen wird trotzdem nichts) oder in Gammelfleisch-Skandale verwickelt ist, haben Ketten wie McDoof immerhin noch gewisse hygienische Grundlagen (und auch nicht nur ausländische Mitarbeiter). Vor allem aber kein geschächtetes Halal-Fleisch!

    Von daher hätte Voigt doch besser sagen sollen, dass ihm ein Döner nicht auf den Teller kommt, und ein Burger nur zur Not. 🙂

    In dem Zeitungsartikel is(s)t Udo Voigt ja aber doch recht vorbildlich mit dem Bauernfrühstück, das muss man auch anerkennen. 😉
    Es hätte deutlich schlimmer kommen können, wenn ihn die Reporter z.B. mitten in einer Döner-Bude “erwischt” hätten. So eine Meldung würde sofort durch die ganze Republik gehen und Udos Ruf wäre ziemlich ruiniert…

  2. reinigungskraft
    October 27, 2011 at 7:39 am

    Ich nehme an, wenn Apfel oder Pastörs es gesagt hätten, wäre es kein erwähnenswertes Problem gewesen.

    Die beiden Sätze gehen zu weit Richtung Wahlkampf:
    “Deutschlands Schicksal ist ihm also egal?”
    “Diese Wiederkehr sollte von Menschen begleitet werden, die sich weder in Widersprüche verstricken, noch die Gegebenheiten im Volk falsch einschätzen.”

    Den Döner-Boykott unterstütze ich.

    • October 31, 2011 at 2:47 pm

      da irrst Du, liebe reinigungskraft. Ich hätte das bei diesen beiden ebenfalls als Artikel gebracht… Und gerade wenn Wahlkampf ist: jeder Mitbewerber muss eben in einer solchen Phase ganz besonders achtsam sein!

  3. October 27, 2011 at 10:29 am

    Ich esse derzeit Grünkohl mit Pinkel. Döner unD Hamburger habe ich noch nie gessen, werde es auch nie tun. Ich habe sogar schon mal mit Flugblättern gegen McDonalds demonstriert.

    Wenn wir dieses Fremdfressen nicht lassen, dann gibt es bald kein eintiges deutsches Speiselokal mehr.

    • October 31, 2011 at 2:49 pm

      Lieber niekisch,

      also Flugblätter gegen McD zu verteilen halte ich aber auch für übertrieben. Da gibt es wahrlich wichtigere Probleme. Wie gesagt: deutschlands Schicksal entscheidet sich nicht bei den Essgewohnheiten. Aber als Bundesvorsitzender einer nationalen Partei sollte man entweder auf beides verzichten oder diese ganze Thematik beiseite lassen. So wie es Voigt handhabt, is(s)t es einfach widersprüchlich!

  4. October 28, 2011 at 9:19 am

    Ein NPD-Bundesvorstandsmitglied könnte Udo Voigt bald abhandenkommen. Gegen Heiner Höving wurde jetzt ein Haftbefehl beantragt.

    http://www.dvu-nds.de/2011/10/haftbefehl-gegen-npd-vorstandsmitglied-beantragt/

    • November 8, 2011 at 9:26 pm

      Gespenster-Geschichten machen im Comic-Format, mehr spaß!

  5. October 28, 2011 at 6:35 pm

    Döner habe ich früher gerne gegessen, inzwischen nicht mehr. Schmeckt mir durchaus, aber ich will ja nicht die Leute, die ich eigentlich Deutschland verlassen sehen will, noch unterstützen. Zudem traue ich denen in Bezuf auf das Fleisch nicht: Wer weiß, was die uns alles verkaufen.

    McDonald’s war wohl jeder schon einmal, auch ich war ab und zu. Würde dort inzwischen nichts mehr essen. Nicht, weil ich diesen Kapitalismus ablehne, sondern weil ich finde, daß es gar nicht so toll schmeckt. Frage mich selbst, wieso wir das als Kinder alle ganz toll fanden.

    Schade ist es durchaus, daß die deutsche Eßkultur mehr oder weniger ein Schattendasein führt.

    Ich finde, man sollte die Voigt-Aussage nicht überbewerten. Es gibt wirklich wichtigere Sachen. Es ist ja schließlich kein Verrat am deutschen Volke.

  6. gibt@net
    October 29, 2011 at 6:20 am

    Verstehe ich nicht. Der reinen Lehre nach, sind Döner und Burger natürlich beide igitt!
    Aber bitte: Welcher aufrechte Nationale frißt denn noch Döner? Darauf verzichte ich seit JAHREN, obwohl ich das Zeug liebe!
    Burger werden “Zwangsweise” ab und zu konsumiert wenn nichts im Kühlschrank ist und es wieder spät geworden ist.
    Wann habe ich das letzte Mal von einem Ami gelesen, der in der U-Bahn Nasenbein bricht?
    Das Problem aktuell ist nicht die USA – die selbst von Süden überlaufen werden.

    • October 31, 2011 at 2:53 pm

      Also diese Aussage “Burger werden “Zwangsweise” ab und zu konsumiert wenn nichts im Kühlschrank ist und es wieder spät geworden ist.” ist auch nicht ganz logisch…

      In einem solchen Fall kann man auch an der Tanke etwas holen oder zum Curry- oder Pizza-Imbiss (wenigstens noch europäisch) gehen… Es werden bald noch ganz andere Zwänge kommen – wenn da schon der leere Kühlschrank ausreicht, um Prinzipien über Bord zu werfen, sind wir wahrlich schlecht aufgestellt.

      Ansonsten stimme ich Dir aber zu. Unser (!) Problem sind wahrlich nicht die Amerikaner – die müssen wir eher ruhig halten, damit die nicht in der Phase ihres Abgesangs alles niedermähen, was sich erhebt.

  7. November 8, 2011 at 9:22 pm

    Ich esse lieber einen Burger, statt einen Döner. Nicht nur wegen des Geschmacks, schießlich kommt der Hamburger tatsächlich von dort und wurde in den USA nur deshalb populär, weil es da keine wirkliche einheimische Esskultur gibt.

    Der Döner übrigens, so wie wir ihn kennen, hat seine Ursprünge auch nicht im tiefsten Orient, sondern wurde tatsächlich in Berlin “erfunden”, von einem zugereisten Türken.

    Und ist das germanischste Stück, aller Fleischsorten, das Schnitzel, wirklich eine deutsche Errungenschaft oder sind dessen Ursprünge, doch nicht eher in Mailand (Norditalien) zu finden?!

    “Ach lassen wir das, ist doch egal!” soll Udo Voigt, nach dieser, auf Bunte– und Frau im Spiegel-niveauvollen Anekdote, gesagt haben.
    “Beides wäre ein Skandal” schreibt dazu VoxPopuli, da er glaubt, in diese Ausage, Dinge hinein zu interpretieren, die sich ihm, mit der Esskultur und/oder mit dem Schiksal Deutschlands verbunden, erscheinen.

    Wäre es nicht sinnvoller, uns mit gegenwartsbezogene und politisch relevanten Fragen zu beschäftigen, als so einem Quatsch glauben zu schenken?!
    Selbst wenn nur ein Fünkchen Wahrheit an diesem linken Deppengeschwätz (siehe Quellenverweis) dran sein sollte, wäre dies nicht das Papier wert, auf dem es geschrieben steht.

    Fazit: Wer Hunger hat, muß essen. Wer schlau sein will, muß denken 🙂

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